Digitales Unterrichten

Als ersten Blogbeitrag veröffentliche ich euch hier das Interview mit dem Schweizer Bauer über meinen digitalen Unterricht am Strickhof.

Viel Spass beim Lesen.

Der Strickhof will von den Chancen der Digitalisierung profitieren und den Unterricht entsprechend mit digitalen Hilfsmitteln aufwerten. Milan Schmed, Allgemeinbildungslehrer am Strickhof und Coach erklärt im Interview, welchen Mehrwert digitaler Unterricht bieten kann.

Milan Schmed, Sie setzen in Ihrem Unterricht oft digitale Hilfsmittel ein. Warum?

Milan Schmed: Das grosse Plus des digitalisierten Unterrichts ist die Individualisierung, die dadurch möglich wird.

Der Unterricht kann auf ziemlich effiziente Weise individuell auf jede Schülerin, jeden Schüler abgestimmt werden, sodass alle in ihrem Tempo arbeiten können, vielleicht auch mit ihrer bevorzugten Methode. Auch Prüfungen können digital gemacht und direkt ausgewertet werden

Unterrichten Sie immer digital?

Nein. Man sollte nicht übertreiben mit digital. Bei gewissen Themen macht es Sinn, dass ich als Lehrperson vorne stehe und klassisch unterrichte. Themen zum Beispiel, bei denen es um die eigene Erfahrung geht.

… zum Beispiel?

Beim Thema «Beziehungen leben»; da geht es um die Beziehung zwischen Mann und Frau sowie um Rechte und Pflichten in der Ehe. Solche Themen haben ja auch immer mit Gefühlen zu tun. Und die Lernenden wollen hören, wie es bei der Lehrperson selber aussieht.

Auch beim Thema «Homosexualität und eingetragene Partnerschaften» ist es für die Lernenden spannend, wenn sie meine Meinung erfahren. Diese Themen leben von der Diskussion. Das würde bei digitalem Unterricht verloren gehen.

Welche Themen eignen sich hingegen für den digitalen Unterricht?

Steuern, das ist sehr trocken. Da ist es hilfreich, wenn ich den Lernenden die Inhalte verschieden anbieten kann in Form von Videos, Texten, mit dem Lehrmittel arbeiten etc. Dann können sie auswählen.

Wie reagieren die Lernenden auf digitalen Unterricht?

Sie kennen es noch nicht von der Oberstufe, wobei dies mit dem Lehrplan 21 nun ändern wird. Deshalb sind sie am Anfang skeptisch. Aber spätestens nach einem Semester finden es die meisten toll. Sie schätzen, dass sie in ihrem Tempo arbeiten können. Die Atmosphäre bei solch digitalen Einheiten ist immer sehr angenehm. Es ist ganz still im Schulzimmer, jeder arbeitet für sich. Die Lernenden bleiben viel ruhiger und lassen sich weniger ablenken.

Wie kann die Lehrperson beim digitalen Unterricht sicherstellen, dass die Lernenden den Schulstoff verinnerlicht

haben?

Man kann Zwischenprüfungen einbauen. Wenn jemand beispielsweise 60 Prozent der Aufgaben richtig gelöst hat, kann man dem Lernenden automatisch eine Antwort zukommen lassen, welche Fragestellungen nochmals angeschaut werden müssen. Bei z.B. 80 Prozent richtigen Antworten kann weitergearbeitet werden. Das bedeutet, den Unterricht individualisieren. Alle können in ihrem Tempo arbeiten – die grosse Stärke der Digitalisierung im Unterricht. Im klassischen Unterricht wäre der eine vielleicht gelangweilt, gleichzeitig ein anderer überfordert. Oftmals ist bei schwächeren Lernenden nicht die Intelligenz das Problem, sondern das Arbeitstempo. Eigentlich kriegt man alle an einen gewissen Punkt, aber man muss den einen mehr Zeit lassen. Einem guten Lernenden kann ich durchaus Zusatzaufgaben geben – die sind aber nie prüfungsrelevant.

Driften die Lernenden nicht ins Internet ab?

Früher schauten die Lernenden aus dem Fenster. Wenn sie gut zuhören sollen, müssen sie ihre Laptops schliessen. Wenn man klare Aufträge vergibt, haben sie keine Zeit, ins Internet zu gehen.

Welche Nachteile ergeben sich bei digitalem Unterricht?

Wenn die Lehrperson nicht erkennt, wann es Zeit ist für Persönliches und Gefühle. Wenn man das nicht versteht, geht sehr viel verloren, was die Lebendigkeit des Unterrichts ausmacht. Oder wenn wir ein Video geschaut haben, müssen die Lernenden danach passende Begriffe an die Wandtafel schreiben. Es gibt Lehrer, die machen das per Computer. Es gibt viele Studien, die besagen, dass etwas besser verinnerlicht werden kann, wenn man von Hand schreibt. Ich brauche auch gerne die Wandtafel oder den Flipchart, weil die Lernenden so sehen, was sie produziert haben.

Wenn eine Lehrperson mit digitalem Unterricht starten will, was raten Sie?

Das Beste ist, sich zu überlegen, wo die Schwächen des eigenen Unterrichts liegen. Vielleicht wäre es ja möglich, diese Schwächen mit digitalem Unterricht auszumerzen. Eine Lehrperson sollte den Unterricht jedes Jahr etwas anpassen. Da spricht nichts dagegen, dies digital anzupassen. So wie es eben passt, der Job sollte ja noch Spass machen. Die Lernenden merken, wenn die Lehrperson etwas macht, was ihr nicht zusagt. Der Strickhof bietet zudem gute Weiterbildungen an. Im Internet, beispielsweise auf Youtube gibt es sehr gute Lehrvideos zu digitalem Unterricht. Aber es verlangt natürlich

ein gewisses Engagement seitens der Lehrperson.

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